Die drei Ausgangslagen
Wie viel Arbeit eine Übernahme macht, hängt fast nur davon ab, was von der ursprünglichen Programmierung noch zugänglich ist.
| Ausgangslage | Was möglich ist | Aufwand |
| Projektdatei vorhanden, Passwort bekannt | Projekt in die ETS importieren, mit der Anlage abgleichen, Änderungen direkt einarbeiten | gering |
| Keine Projektdatei, Geräte nicht gesperrt | Anlage am Bus scannen, Gruppenadressen und Geräte auslesen, Projekt rekonstruieren und dokumentieren | mittel |
| Geräte mit Sperrschlüssel oder KNX Secure ohne Schlüssel | Betroffene Geräte lassen sich nicht auslesen. Neuere Geräte können meist zurückgesetzt und neu parametriert werden, ältere teilweise gar nicht mehr, dann wird getauscht | hoch, je nach Anzahl |
Fall 1: Die Projektdatei ist da
Der beste Fall. Wir öffnen das Projekt in der ETS, prüfen, ob der Stand mit der Anlage übereinstimmt, und übernehmen es als Grundlage. Weicht die Programmierung ab, weil später jemand ohne Datei weitergearbeitet hat, gleichen wir Gerät für Gerät ab. Danach gehört das Projekt Ihnen, mit Sicherung bei Ihnen und bei uns.
Fall 2: Keine Datei, aber offene Geräte
Die meisten Anlagen aus den Jahren 2005 bis 2020 fallen hierher. Über eine Schnittstelle scannen wir den Bus und finden jedes Gerät mit seiner physikalischen Adresse. Aus den Geräten lassen sich die verknüpften Gruppenadressen auslesen, aus dem Telegrammverkehr am Busmonitor ergibt sich, welcher Taster was auslöst. Die Parameter, etwa Dimmzeiten, Laufzeiten der Jalousien oder Heizungsregler-Einstellungen, lesen wir aus, soweit die Geräteapplikation das zulässt, und ergänzen den Rest aus der Funktionsprüfung vor Ort.
Das Ergebnis ist ein neues ETS-Projekt, das die Anlage so abbildet, wie sie heute läuft. Es ist nicht zwingend eine Kopie der Originaldatei, aber vollständig und dokumentiert. Ab diesem Punkt können Sie Funktionen ändern, erweitern oder eine Visualisierung aufsetzen.
Fall 3: Gesperrte Geräte
Manche Elektriker haben früher einen BCU-Schlüssel gesetzt, damit niemand ohne sie ans Projekt kommt. Neuere Anlagen mit KNX Secure brauchen die gerätespezifischen Schlüssel, die auf dem Gerät aufgedruckt sind oder im Projekt hinterlegt waren. Fehlt beides, lässt sich das Gerät weder auslesen noch neu beschreiben. Bei neueren Geräten hilft meist ein Werksreset über die Programmiertaste, danach wird das Gerät neu parametriert. Ältere gesperrte Geräte lassen sich teilweise gar nicht mehr entsperren, dann bleibt nur der Tausch gegen ein neues Gerät. Wir prüfen vorab, welche Geräte betroffen sind, damit es keine Überraschung gibt.
Häufiger Fehler: Ein Elektriker ohne KNX-Erfahrung tauscht einen „defekten“ Aktor gegen ein neues Gerät, ohne das Projekt zu haben. Das neue Gerät kennt keine Gruppenadressen, die angeschlossenen Lichter sind tot, und die Rekonstruktion wird schwieriger, weil ein Gerät mit seinen Daten fehlt. Vor jedem Tausch zuerst auslesen.