Was eine Projektdatei mitbringen muss, damit die Oberfläche von selbst entsteht
Die KNX-Anlage ist programmiert, jeder Taster tut, was er soll. Und dann kommt die Frage nach der App. Eine Visualisierung wird in den meisten Projekten Seite für Seite von Hand gebaut und kostet oft mehr Stunden als die ETS-Programmierung selbst. Dabei steht fast alles, was die Oberfläche braucht, längst in der Projektdatei. Dieser Artikel zeigt, welche Voraussetzungen ein ETS-Projekt erfüllen muss, damit sich eine Visualisierung daraus erzeugen lässt, und wie das bei unserem ETG Cockpit abläuft.
Jürgen Grüblinger, zertifizierter KNX-Partner8. November 2026Lesezeit ca. 7 Minuten
Warum Visualisierungen so lange dauern
Beim klassischen Weg legt der Programmierer in der Visualisierungssoftware Seiten an, zieht für jeden Raum Bedienelemente auf, verknüpft jedes Element mit den passenden Gruppenadressen und beschriftet alles noch einmal. Bei einem Einfamilienhaus mit 15 Räumen, 60 Leuchten, 25 Jalousien und 12 Heizkreisen sind das mehrere hundert Zuordnungen. Jede spätere Änderung in der ETS muss in der Visualisierung nachgezogen werden, sonst laufen beide Welten auseinander.
Das ist nicht nur teuer, es ist auch fehleranfällig. Die typischen Reklamationen nach der Übergabe lauten: eine Leuchte fehlt auf der Seite, eine Jalousie zeigt die falsche Position, ein Raum heißt in der App anders als am Taster.
Die Idee: Das ETS-Projekt ist schon die Visualisierung
Ein sauber angelegtes ETS-Projekt enthält drei Dinge, die eine Visualisierung braucht:
Die Gebäudestruktur: Geschosse und Räume, denen die Geräte zugeordnet sind.
Die Funktionen: Gruppenadressen mit Datenpunkttyp, aus denen hervorgeht, ob es sich um Schalten, Dimmen, eine Jalousieposition oder einen Temperatursollwert handelt.
Die Rückmeldungen: Statusobjekte, über die die Anlage meldet, ob eine Leuchte an ist, wo die Jalousie steht und welche Temperatur ein Raum hat.
Genau diese Informationen liest das ETG Cockpit aus der Projektdatei. Es übernimmt die Räume, ordnet die Funktionen zu und erzeugt daraus die Oberfläche. Die Raumnamen kommen aus dem Projekt, nichts wird doppelt beschriftet. Ändert sich später etwas in der ETS, wird das Projekt neu importiert.
Was Ihr ETS-Projekt mitbringen muss
Der Import funktioniert so gut wie das Projekt, das hineinkommt. Vier Punkte entscheiden:
Gebäudestruktur gepflegt: Geschosse und Räume sind angelegt, jedes Gerät oder zumindest jede Funktion hängt an einem Raum. Ein Projekt, in dem alle Aktoren nur im Verteiler stecken und keinem Raum zugeordnet sind, liefert zwar Funktionen, aber keine Raumseiten.
Rückmeldeobjekte verbunden: Jede Leuchte hat ein Statusobjekt, jede Jalousie eine Positionsrückmeldung, jeder Heizkreis einen Istwert. Ohne Rückmeldung kann die Oberfläche nur senden, aber nicht anzeigen.
Sprechende Namen: „Wohnzimmer Deckenleuchte schalten“ statt „GA 1/2/3“. Die Namen der Gruppenadressen werden zu den Beschriftungen in der App. Wie Sie das sauber aufbauen, steht im Artikel KNX-Gruppenadressen richtig strukturieren.
Datenpunkttypen gesetzt: Jede Gruppenadresse hat einen DPT. Daran erkennt der Import, ob er einen Schalter, einen Schieberegler oder eine Temperaturanzeige bauen soll.
Praxistipp: Prüfen Sie vor dem Export in der ETS die Ansicht „Gebäude“. Alles, was dort unter „Nicht zugeordnet“ liegt, taucht in der Visualisierung in keinem Raum auf. Fünf Minuten Aufräumen sparen eine Stunde Nacharbeit.
Häufiger Fehler: Rückmeldeobjekte sind im Aktor parametriert, aber mit keiner Gruppenadresse verbunden. Die Anlage funktioniert am Taster trotzdem, in der App bleibt der Zustand aber leer. Das fällt oft erst beim Import auf.
So läuft der Import ab
Projekt exportieren: In der ETS das Projekt als .knxproj-Datei exportieren.
Datei hochladen: Im Cockpit unter Konfiguration den ETS-Import öffnen und die Datei auswählen.
Wizard durchgehen: Der geführte Erststart zeigt die erkannten Geschosse und Räume. Hier lässt sich die Reihenfolge anpassen, und Räume, die nur in der ETS, aber nicht im Haus existieren, werden ausgeblendet.
Oberfläche prüfen: Jeder Raum erscheint als Karte mit Temperatur, Licht und Jalousien. Zentralfunktionen wie „Alles aus“, Alarmanlage oder Störmeldungen landen im Bereich Zentral.
Nachjustieren: Räume gruppieren, Namen kürzen, einzelne Objekte verstecken. Das ist Feinarbeit von Minuten, nicht Aufbau von Stunden.
Bei einem gut gepflegten Projekt ist die Oberfläche nach dem Wizard einsatzbereit. Bei einem Projekt mit Lücken sieht man im Wizard sofort, wo sie sind, und kann sie in der ETS nachholen.
Was nach dem Import dazukommt
Die Räume sind das Fundament. Interessant wird das Cockpit durch die Bereiche, die eine reine KNX-Visualisierung nicht abdeckt:
Bereich
Datenquelle
Was Sie davon haben
Energie
Smart Meter, Wechselrichter, Speicher
Energiefluss live, Erzeugung und Verbrauch pro Tag, Ersparnis in Euro nach Ihrem Stromtarif
Lastmanagement
Smart Meter, KNX-Aktoren, Wallbox
Höchste Viertelstunde des Monats im Blick, Prognose, Lastabwurf vor der 10-kW-Grenze für die Netzentgelte 2027
Heizung
KNX-Heizungsaktoren, Kessel, Mischkreise
Anlagenschema mit Temperaturen und Pumpen, Sollwerte je Raum, Komfort und Standby
Beschattung
Wetterstation, Jalousieaktoren
Raum-Automatik nach Helligkeit und Uhrzeit, Zielposition je Fenster, Nachtmodus, Testmodus
Kameras
ONVIF- und RTSP-Streams
Live-Bild in derselben Oberfläche, eine Hauptkamera auf der Startseite
Zentral
KNX-Meldeobjekte
Alarmanlage, Einbruch-, Hochwasser- und Störmeldungen auf einen Blick
Lokal oder gehostet
Das Cockpit läuft wahlweise auf einem kleinen Gerät im Haus oder auf unseren Servern in Österreich. Die KNX-Anlage selbst arbeitet in beiden Fällen lokal am Bus weiter, der Unterschied betrifft nur die Oberfläche.
Lokal bei Ihnen
Gehostet bei uns
Gerät im Haus
ja, klein, im Verteiler oder Netzwerkschrank
nein
Erreichbar ohne Internet
ja, im Hausnetz
nein, Zugriff per Internet
Updates und Backups
durch uns per Fernwartung, auf Wunsch
durch uns, inklusive
Daten
bleiben im Haus
bleiben in Österreich
Für Elektrobetriebe
Wenn Sie als Elektrobetrieb KNX-Anlagen bauen und die Visualisierung bisher ausgelagert oder weggelassen haben: Der Import aus dem ETS-Projekt ändert die Rechnung. Wir richten das Cockpit für Ihre Kundenprojekte ein, auf Wunsch zusammen mit der ETS-Programmierung als Subunternehmer. Ihr Kunde bekommt eine Oberfläche, die zu seiner Anlage passt, und Sie bleiben Ansprechpartner.
Unsere Visualisierung
ETG Cockpit
Räume, Energie, Lastmanagement, Heizung, Beschattung und Kameras in einer Oberfläche, erzeugt aus Ihrem ETS-Projekt. Wir zeigen es Ihnen an einer laufenden Anlage.
Eine Visualisierung muss nicht von Hand gebaut werden, wenn das ETS-Projekt ordentlich ist. Gebäudestruktur, Rückmeldeobjekte, sprechende Namen und Datenpunkttypen sind keine Kür, sondern die Grundlage dafür, dass die Oberfläche aus dem Projekt entsteht und nach jeder Änderung mit einem neuen Import aktuell bleibt. Wer sein Projekt so anlegt, hat am Ende weniger Arbeit, und eine App, in der die Räume genauso heißen wie am Taster.
JG
Jürgen Grüblinger führt die ElektroTechnik Grüblinger GmbH in Wels und ist zertifizierter KNX-Partner. Er plant und programmiert KNX-Anlagen und hilft Bauherren und Elektrobetrieben, die bei ihrem Projekt Unterstützung brauchen.