ETS 6 Projekt von Null

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Die ETS 6 ist installiert, die Lizenz ist aktiviert, und vor Ihnen steht eine leere Projektliste. Ab hier gibt es viele Wege, aber nur wenige, bei denen Sie nach zwei Wochen nicht alles umbauen müssen. Dieser Artikel beschreibt die Reihenfolge, mit der wir jedes Einfamilienhaus aufsetzen: vom neuen Projekt über Topologie, Geräte und Gruppenadressen bis zum ersten Download auf den Bus.

Bevor Sie die ETS öffnen

Die meisten Probleme in ETS-Projekten entstehen nicht in der Software, sondern davor. Drei Dinge sollten fertig sein, bevor Sie das Projekt anlegen:

  • Funktionsliste: Pro Raum, was geschaltet, gedimmt, beschattet und geregelt wird. Was kein Mensch aufgeschrieben hat, wird auch nicht programmiert. Wie so eine Liste aussieht, steht im Artikel KNX-Hardware fürs Einfamilienhaus.
  • Geräteliste mit Typenbezeichnungen: Nicht „Schaltaktor 16-fach“, sondern Hersteller und genaue Artikelnummer. Die ETS braucht die exakte Produktdatenbank, ein ähnliches Gerät reicht nicht.
  • Die passende Lizenz: Die ETS 6 Lite endet bei 20 Geräten, die ETS 6 Home bei 64 Geräten und einem Projekt. Für ein Einfamilienhaus mit einer Linie reicht die Home. Elektrobetriebe mit mehreren Kunden kommen um die Professional nicht herum.

Dazu kommt die Hardware zum Programmieren: eine IP-Schnittstelle oder ein IP-Router am Bus und ein Netzwerkkabel vom Verteiler zum Router des Hauses. Ein USB-Interface geht zur Not auch, dann sitzen Sie aber bei jeder Änderung mit dem Laptop im Technikraum.

Unsere Empfehlung

MDT IP-Router mit KNX Secure

Programmierschnittstelle, Linienkoppler und Zeitserver in einem Gerät, versorgt sich aus dem Bus. Damit läuft später auch Home Assistant oder die Fernwartung, ohne dass ein zweites Interface nötig wird.

Zum Produkt

Schritt 1: Projekt anlegen und Topologie festlegen

Im Projekt-Dashboard der ETS 6 legen Sie mit Neues Projekt ein leeres Projekt an. Drei Einstellungen aus diesem Dialog ziehen sich durch das ganze Projekt, deshalb lohnt es sich, hier kurz nachzudenken:

  • Projektname: Kundenname und Adresse, nicht „Test“ oder „Haus neu“. Sie werden dieses Projekt in fünf Jahren wieder öffnen.
  • Gruppenadressen dreistufig: Hauptgruppe/Mittelgruppe/Untergruppe, also zum Beispiel 1/0/12. Zweistufig oder frei ist für ein Haus unübersichtlicher, und fast alle Vorlagen und Generatoren gehen von dreistufig aus.
  • Backbone-Medium: Für ein Haus mit IP-Router stellen Sie das Medium der Hauptlinie auf IP. Die Geräte sitzen dann in der Twisted-Pair-Linie 1.1.

Die Topologie für ein Einfamilienhaus sieht damit immer gleich aus, und wir ändern sie auch nicht, wenn das Haus klein ist:

EbeneLinieTeilnehmer-AdressenMedium
Bereichslinie (Backbone)0.00.0.1 bis 0.0.254, im Einfamilienhaus leerIP
Hauptlinie Bereich 11.01.0.1 bis 1.0.254, etwa Visualisierung oder zweite IP-SchnittstelleIP
IP-Router als Linienkoppler1.11.1.0IP / TP
Gerätelinie Haus1.11.1.1 bis 1.1.254TP

Jede physikalische Adresse hat drei Teile: Bereich, Linie, Teilnehmer. Der Koppler einer Linie trägt immer die Teilnehmernummer 0, der Router bekommt also 1.1.0, weil er die Linie 1.1 an die IP-Hauptlinie 1.0 koppelt. In jeder Linie, auch in der Hauptlinie, stehen die Teilnehmernummern 1 bis 254 zur Verfügung. Die oft genannte Grenze von 64 Geräten ist keine Adressgrenze, sondern die physikalische Grenze pro Liniensegment: Mehr Teilnehmer brauchen einen Linienverstärker und eine weitere Spannungsversorgung, bis zu vier Segmente pro Linie. Wird später eine zweite Linie nötig, etwa für ein Gartenhaus mit langem Kabelweg, kommt ein weiterer Koppler mit 1.2.0 dazu, und das bestehende Projekt bleibt unberührt.

Häufiger Fehler: Alle Geräte in die Hauptlinie 1.0 oder gar in die Bereichslinie 0.0 hängen, weil es im Projekt zunächst egal scheint. Spätestens beim zweiten Koppler oder beim Einrichten der Filtertabellen räumen Sie dann alles um, inklusive aller physikalischen Adressen.

Schritt 2: Produktdaten importieren

Die ETS kennt kein Gerät, dessen Produktdatenbank nicht im Katalog liegt. Die Hersteller stellen diese Dateien im Format .knxprod auf ihren Websites bereit, meist pro Gerätefamilie. Alternativ laden Sie die Daten über den Online-Katalog direkt aus der ETS. Zwei Hinweise aus der Praxis:

  • Nur importieren, was Sie brauchen. Der komplette Katalog eines Herstellers macht das Projekt groß und langsam. Die Geräteliste aus der Vorbereitung sagt Ihnen, welche Dateien nötig sind.
  • Auf die Applikationsversion achten. Ein Aktor mit Firmware 3.x braucht die passende Applikation 3.x. Steht auf dem Gerät eine andere Version als im Katalog, bricht der Download mit einer Kompatibilitätsmeldung ab. Hersteller wie MDT drucken die Version auf das Gehäuse.

Schritt 3: Gebäudestruktur anlegen

In der Ansicht Gebäude legen Sie das Haus an: Gebäude, Geschosse, Räume und mindestens einen Verteiler. Das wirkt wie Fleißarbeit, hat aber drei handfeste Gründe:

  • Jedes Gerät wird in einen Raum oder einen Verteiler eingefügt. Ohne Struktur landen 40 Geräte in einer flachen Liste, und Sie suchen jedes Mal.
  • Die Gebäudestruktur ist die Basis für Berichte und Exporte, etwa für die Übergabedokumentation oder für den Import in eine Visualisierung.
  • Verteiler als eigenes Element: So sehen Sie auf einen Blick, welche Aktoren in welchem Schrank sitzen, und können die Reihenfolge auf der Hutschiene abbilden.

Raumnamen sollten mit den Plänen und mit der Funktionsliste übereinstimmen. Heißt der Raum im Plan „Kind 2“, heißt er im Projekt nicht „Zimmer Lena“.

Schritt 4: Geräte einfügen und physikalische Adressen vergeben

Jetzt ziehen Sie aus dem Katalog die Geräte in die Räume und Verteiler. Die ETS vergibt dabei automatisch die nächste freie physikalische Adresse in der Linie. Das ist bequem, erzeugt aber eine zufällige Reihenfolge, die später niemand mehr nachvollziehen kann. Wir vergeben die Adressen deshalb nach einem festen Schema, das auf jedem Projekt gleich ist:

AdressbereichGeräte
1.1.1 bis 1.1.9Systemgeräte im Verteiler: Spannungsversorgung mit Diagnose, Schnittstellen, Logikmodule
1.1.10 bis 1.1.29Aktoren im Verteiler in Hutschienen-Reihenfolge: Schaltaktoren, DALI-Gateway, Jalousieaktoren, Heizungsaktoren, Binäreingänge
1.1.30 bis 1.1.49Taster und Raumcontroller Erdgeschoss, raumweise
1.1.50 bis 1.1.69Taster und Raumcontroller Obergeschoss, raumweise
1.1.70 bis 1.1.89Präsenzmelder, Fensterkontakt-Schnittstellen, Wetterstation

Die Bereiche nutzen den ganzen Adressraum bis 254 aus, eine Lücke im Schema kostet nichts. Entscheidend ist nicht das konkrete Schema, sondern dass Sie eines haben und es im Projekt als Kommentar dokumentieren. Beim Einfügen tragen Sie außerdem bei jedem Gerät den Namen so ein, dass er den Einbauort beschreibt, etwa „Taster Wohnen Eingang“ statt „Glastaster II Smart“.

Praxistipp: Nutzen Sie bei Aktoren das Beschreibungsfeld der Kanäle schon jetzt. „Kanal A: Deckenlicht Küche“ in den Geräteeigenschaften spart beim Verknüpfen und bei der Fehlersuche Minuten pro Kanal.

Schritt 5: Gruppenadressen anlegen, und zwar alle

Hier entscheidet sich, ob das Projekt in drei Jahren noch wartbar ist. Die Versuchung ist groß, mit dem ersten Taster anzufangen und die Gruppenadressen nebenbei zu erfinden. Das Ergebnis kennen wir aus vielen übernommenen Anlagen: 1/1/1 schaltet das Licht im Flur, 1/1/2 die Jalousie im Bad, und 1/1/3 war einmal eine Testadresse.

Die Struktur, die wir für Wohnhäuser verwenden, sortiert nach Gebäudeteil, dann nach Gewerk, dann nach Verbraucher:

  • Hauptgruppe = Gebäudeteil. Beim Einfamilienhaus ist das meist nur „Wohnhaus“ als Hauptgruppe 0. Garage, Nebengebäude oder ein zweites Haus bekommen eine eigene Hauptgruppe. RGBW-Leuchten legen wir wegen ihrer vielen Objekte in eine eigene Hauptgruppe „Wohnhaus RGBW“.
  • Mittelgruppe = Gewerk. Innerhalb des Gebäudeteils in fester Reihenfolge: Zentral, Beleuchtung, Jalousien, Heizung, Fensterkontakte, Sondersteuerung. Nur Gewerke, die es im Haus gibt, werden angelegt, die übrigen rücken auf.
  • Untergruppe = Block von zehn Adressen pro Verbraucher. Jede Leuchte, jede Jalousie und jeder Heizkreis bekommt einen Zehnerblock, in dem die Funktionen immer an derselben Stelle liegen.
AdresseGruppenadresseDPT
0/0/1Licht ges Ein/Aus1.001
0/0/2Licht ges Zustand1.001
0/0/10Jal ges Auf/Ab1.008
0/1/0Wohnzimmer Deckenlicht Ein/Aus1.001
0/1/1Wohnzimmer Deckenlicht Zustand1.001
0/1/2Wohnzimmer Deckenlicht Dimmen 4bit3.007
0/1/3Wohnzimmer Deckenlicht Dimmen 1byte5.001
0/1/4Wohnzimmer Deckenlicht Dimmen Zustand 1byte5.001
0/1/10Wohnzimmer Stehlampe Ein/Aus1.001
0/1/11Wohnzimmer Stehlampe Zustand1.001
0/1/20Küche Deckenlicht Ein/Aus1.001
0/2/0Jal Wohnzimmer Fenster Auf/Ab1.008
0/2/1Jal Wohnzimmer Fenster Lamelle1.007
0/2/2Jal Wohnzimmer Fenster Fahren 1byte5.001
0/2/3Jal Wohnzimmer Fenster Fahren Zustand 1byte5.001
0/3/0Wohnzimmer Ist-Temperatur9.001
0/3/1Wohnzimmer Soll-Temperatur9.001
0/3/3Wohnzimmer Betriebsart20.102
0/3/4Wohnzimmer Stellwert5.001
0/4/0Wohnzimmer Terrassentür Kontakt1.019

Der Vorteil dieser Blöcke: Innerhalb eines Gewerks sieht jede Adresse gleich aus. Endet eine Adresse in der Beleuchtung auf 0, ist es Ein/Aus, endet sie auf 1, ist es der Status, auf 3 der Dimmwert. Die Zehnerstelle sagt, welche Leuchte gemeint ist. Wer 0/1/23 liest, weiß ohne Projekt: Beleuchtung im Wohnhaus, dritte Leuchte, Dimmwert. Auch geschaltete Leuchten belegen einen vollen Zehnerblock, damit sich die Leuchte später ohne Umbau auf dimmbar umstellen lässt. Einzige Ausnahme im ganzen Schema: Die Adresse 0/0/0 ist in der ETS reserviert und lässt sich nicht anlegen, deshalb beginnt der allererste Block in Mittelgruppe 0 bei 0/0/1 statt 0/0/0, egal ob dort Zentralfunktionen oder die erste Leuchte liegen. Genau deshalb legen wir Gruppenadressen immer komplett an, bevor die erste Verknüpfung entsteht.

Füllt ein Gewerk mehr als 254 Adressen, etwa die Beleuchtung in einem großen Haus, geht es in der nächsten Mittelgruppe als „Beleuchtung 2“ weiter. Sind mehr als acht Mittelgruppen nötig, folgt die nächste Hauptgruppe für denselben Gebäudeteil.

Für ein Haus mit 8 Räumen sind das schnell 200 bis 300 Adressen. Von Hand ist das eine Stunde Tipparbeit mit Tippfehlergarantie. Unser kostenloser KNX Gruppenadressen-Generator erzeugt genau diese Struktur aus einer Raumliste, inklusive Datenpunkttypen, und liefert eine XML-Datei, die Sie in der ETS unter Gruppenadressen importieren. Das Schema im Detail, mit Namensregeln und der Umstellung bestehender Projekte, steht im Artikel KNX-Gruppenadressen richtig strukturieren.

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KNX Gruppenadressen-Generator

Räume und Verbraucher eintragen, fertige dreistufige Struktur mit Datenpunkttypen herunterladen und in die ETS importieren. Ohne Anmeldung.

Zum Generator

Datenpunkttypen gleich mitgeben

Jede Gruppenadresse sollte einen Datenpunkttyp (DPT) haben: 1.001 für Schalten, 5.001 für Prozentwerte, 9.001 für Temperaturen, 3.007 für relatives Dimmen, 1.008 für Auf/Ab, 20.102 für die Heizungs-Betriebsart. Die ETS erzwingt das nicht, aber ohne DPT weiß eine Visualisierung wie Home Assistant später nicht, ob 1/3/12 ein Schaltbefehl oder ein Dimmwert ist. Der Generator setzt die Typen automatisch.

Schritt 6: Parametrieren und verknüpfen

Erst jetzt beginnt die Arbeit, die die meisten für „KNX programmieren“ halten. Sie öffnen ein Gerät, stellen in den Parametern ein, was die Kanäle tun sollen, und ziehen anschließend Gruppenadressen auf die Gruppenobjekte. Die Reihenfolge, mit der wir dabei durch das Haus gehen:

  1. Aktoren zuerst. Pro Kanal: Betriebsart (Schalten, Treppenlicht, Jalousie mit Lamelle, Rollladen), Laufzeiten bei Beschattung, Statusrückmeldung aktivieren. Dann Schalt- und Statusobjekt mit den passenden Adressen verbinden.
  2. Dann die Sensorik raumweise. Taster: pro Wippe oder Tastfläche die Funktion (Schalten um, Dimmen bei langem Druck, Jalousie kurz/lang) und die Adressen der Aktoren, die sie bedienen. Beim Taster mit Display zusätzlich die Status-Adressen für die LED- oder Symbolanzeige.
  3. Zum Schluss die Logik. Zentralfunktionen, Wetterstation auf die Beschattung, Fensterkontakte auf die Heizung, Zeitschaltungen. Das geht erst, wenn alle Grundfunktionen stehen.

Die Sache mit den Statusobjekten

Der häufigste Fehler in Projekten, die wir übernehmen: Taster und Aktor sind über die Schaltadresse verbunden, aber das Statusobjekt des Aktors hängt an nichts. Die Folge: Die LED am Taster zeigt den falschen Zustand, die Visualisierung weiß nicht, ob das Licht brennt, und „Alles aus“ in der Zentralfunktion schaltet Leuchten ein, die eigentlich aus sein sollten. Darum gilt bei uns: Jeder Kanal bekommt eine eigene Status-Gruppenadresse, und die kommt auf das Statusobjekt des Aktors und auf das Statusobjekt jedes Tasters und jeder Visualisierung, die den Kanal bedient.

Kommunikationsflags

Die Flags K, L, S, Ü und A legen fest, was ein Gruppenobjekt darf. Die Voreinstellung der Hersteller passt fast immer. Zwei Fälle, in denen Sie eingreifen müssen: Das L-Flag (Lesen) muss bei Statusobjekten gesetzt sein, wenn eine Visualisierung die Werte nach dem Start abfragen soll. Und das Ü-Flag (Übertragen) braucht jedes Objekt, das von sich aus senden soll. Fehlt es am Statusobjekt, sendet der Aktor den Zustand nie, obwohl in den Parametern „Status senden“ steht.

Praxistipp: Verknüpfen Sie in der Gruppenadress-Ansicht, nicht in der Geräteansicht. Dort sehen Sie pro Adresse, welche Objekte dranhängen, und erkennen auf einen Blick, wenn ein Statusobjekt oder ein zweiter Taster fehlt.

Mit Strg+Z macht die ETS 6 auch Verknüpfungen rückgängig. Trotzdem: Vor jedem größeren Umbau einen Projektexport anlegen.

Schritt 7: Programmieren

Die ETS findet eine IP-Schnittstelle im selben Netzwerk automatisch. Unter Bus wählen Sie sie als aktuelle Schnittstelle und prüfen mit einem Test, ob die Verbindung steht. Beim ersten Download gehen Sie in dieser Reihenfolge vor:

  1. Router oder Schnittstelle zuerst. Das Gerät, über das Sie programmieren, bekommt als erstes seine physikalische Adresse und seine Applikation. Bei einer frischen Anlage ist es noch auf der Werksadresse 15.15.255 erreichbar.
  2. Physikalische Adresse vergeben. Beim ersten Download jedes Geräts müssen Sie die Programmiertaste am Gerät drücken, die LED leuchtet rot. Die ETS wartet darauf. Bei 30 Geräten im Verteiler heißt das: Laptop in den Technikraum, ein Gerät nach dem anderen.
  3. Applikation laden. Für das erste Mal „Vollständig programmieren“. Alle späteren Änderungen gehen mit „Partiell programmieren“ deutlich schneller, weil nur geänderte Daten übertragen werden.
  4. Taster und Melder vor Ort. Die Programmiertaste sitzt bei Tastern oft hinter der Abdeckung oder ist eine Tastenkombination. Datenblatt lesen, bevor Sie die Wippe abziehen.

Bei Geräten mit KNX Secure kommt ein Schritt davor: Jedes sichere Gerät hat ein Zertifikat (FDSK) als QR-Code auf dem Gehäuse oder auf einem Beilegezettel. Das scannen oder tippen Sie in die ETS, bevor das Gerät programmiert wird. Die Aufkleber gehören ins Projektordner des Kunden, nicht in den Müll. Und das Projektpasswort, das die ETS beim ersten sicheren Gerät verlangt, gehört an einen Ort, den Sie in fünf Jahren noch finden.

Häufiger Fehler: Ein Gerät ist programmiert, reagiert aber nicht. In neun von zehn Fällen ist die Busspannung am Gerät nicht da (Klemme nicht ganz drauf, Polung vertauscht) oder der Download der Applikation wurde abgebrochen und nur die Adresse ist drauf. Die Gerätinfo in der ETS zeigt beides.

Schritt 8: Testen, dokumentieren, sichern

Nach dem Download gehen Sie mit der Funktionsliste durch das Haus und drücken jede Taste einmal. Was nicht tut, klären Sie mit dem Gruppenmonitor in der Diagnose: Dort sehen Sie jedes Telegramm am Bus mit Absender, Gruppenadresse und Wert. Sendet der Taster, aber der Aktor reagiert nicht, liegt es an der Verknüpfung oder den Parametern. Sendet der Taster gar nichts, liegt es am Taster. Der Gruppenmonitor kann auch selbst Telegramme senden, damit lässt sich jeder Aktorkanal ohne Taster prüfen.

Zum Abschluss drei Dinge, die bei zu vielen Anlagen fehlen:

  • Projekt exportieren als .knxproj und an mindestens zwei Orten sichern. Die ETS speichert Projekte in ihrer eigenen Datenbank, und ein defekter Laptop nimmt die mit.
  • Dem Bauherrn eine Kopie geben, zusammen mit dem Projektpasswort und den Secure-Zertifikaten. Ein Haus ohne ETS-Projekt ist für den nächsten Elektriker eine Blackbox. Wir schreiben dazu demnächst einen eigenen Artikel.
  • Projektdokumentation drucken oder als PDF ablegen: Geräteliste mit physikalischen Adressen, Gruppenadressen, Raumzuordnung. Die ETS erzeugt das über die Berichte.

Wie lange dauert das?

Für ein Einfamilienhaus mit rund 30 Busteilnehmern rechnen wir bei guter Vorbereitung mit einem Arbeitstag für Projektaufbau, Gruppenadressen und Parametrierung und einem halben Tag für Download, Test und Dokumentation. Beim ersten eigenen Projekt sollten Sie mit dem Mehrfachen rechnen, vor allem für das Lesen der Applikationsbeschreibungen. Die Hersteller-Handbücher für einen Glastaster oder ein DALI-Gateway haben jeweils über hundert Seiten, und die relevanten zwanzig findet man erst beim zweiten Projekt auf Anhieb.

Wer sich diese Lernkurve sparen will, startet mit einem fertigen Projekt statt mit einer leeren Liste. Unsere ETS-Vorlage „Wohnung 5 Räume“ enthält genau die Struktur aus diesem Artikel: Topologie, Adressschema, Gruppenadressen in Zehnerblöcken und parametrierte MDT-Geräte für Beleuchtung, Beschattung und Heizung. Sie passt für eine Wohnung oder ein kleines Haus und lässt sich raumweise erweitern. Vorlagen für Einfamilienhaus und Villa sind in Arbeit.

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ETS-6-Vorlage „Wohnung 5 Räume“

Fertiges .knxproj mit Topologie, physikalischen Adressen, kompletter Gruppenadress-Struktur und parametrierten MDT-Geräten für Licht, Jalousien und Heizung, dazu Installationsplan und Projektdoku.

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Fazit

Ein sauberes ETS-Projekt entsteht in einer festen Reihenfolge: Topologie, Produktdaten, Gebäude, Geräte mit Adressschema, komplette Gruppenadressen in Zehnerblöcken, erst dann Parameter und Verknüpfungen, zum Schluss Download, Test und Sicherung. Wer die ersten fünf Schritte abkürzt, holt sie beim Verknüpfen mit Zinsen nach. Wer sie sauber macht, hat eine Anlage, die auch der nächste Elektriker versteht.

Wenn Sie das Projekt nicht selbst aufbauen wollen oder mitten drin feststecken: Wir übernehmen ETS-Projekte für Bauherren und als Subunternehmer für Elektrobetriebe, auch per Fernzugriff. Details auf der Seite KNX-Planung für Elektrobetriebe.

Häufige Fragen

Welche ETS-6-Lizenz brauche ich für ein Einfamilienhaus?

Die ETS 6 Home erlaubt ein Projekt mit bis zu 64 Geräten und reicht für die meisten Einfamilienhäuser mit einer Linie. Die ETS 6 Lite ist auf 20 Geräte begrenzt und damit für ein Haus zu klein. Wer mehrere Projekte oder mehr als 64 Geräte verwalten will, braucht die ETS 6 Professional.

In welcher Reihenfolge sollte ich ein ETS-Projekt aufbauen?

Erst Topologie und Produktdaten, dann Gebäudestruktur und Geräte mit physikalischen Adressen, danach die komplette Gruppenadress-Struktur, erst dann Parametrierung und Verknüpfung. Zum Schluss programmieren, testen und das Projekt sichern. Wer mit dem Verknüpfen beginnt, bevor die Gruppenadressen stehen, baut sich die Struktur später mühsam um.

Wie vergebe ich die physikalischen Adressen sinnvoll?

Ein festes Schema pro Linie hat sich bewährt: niedrige Adressen für Systemgeräte und Aktoren im Verteiler, danach Taster und Melder geschossweise. So lässt sich ein Gerät später anhand seiner Adresse grob verorten, auch ohne das Projekt zu öffnen.

Warum reagiert mein Taster, aber der Status am Display stimmt nicht?

Fast immer fehlt die Verknüpfung des Statusobjekts des Aktors mit einer eigenen Status-Gruppenadresse, oder das Statusobjekt sendet nicht aktiv. In den Parametern des Aktorkanals muss die Statusrückmeldung aktiviert sein, und die Status-Gruppenadresse gehört zusätzlich an das Taster- oder Visualisierungsobjekt.

Was passiert, wenn ich das Projektpasswort bei KNX Secure verliere?

Ohne Projektpasswort lässt sich ein gesichertes Projekt nicht mehr öffnen, und ohne die im Projekt hinterlegten Schlüssel können sichere Geräte nur noch über einen Werksreset neu in Betrieb genommen werden. Projektpasswort und Projektexport gehören deshalb an einen sicheren Ort, und der Bauherr bekommt beides bei der Übergabe.

JG

Jürgen Grüblinger führt die ElektroTechnik Grüblinger GmbH in Wels und ist zertifizierter KNX-Partner. Er plant und programmiert KNX-Anlagen und hilft Bauherren und Elektrobetrieben, die bei ihrem Projekt Unterstützung brauchen.

Im ETS-Projekt steckengeblieben?

Wir bauen Projekte auf, räumen bestehende auf oder übernehmen die Programmierung komplett, für Bauherren und Elektrobetriebe.

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